Aktuelles EPG-Angebot

Übersicht über die aktuellen Veranstaltungen, die im Rahmen des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums besucht werden können.

Im Sommersemester 2019 wird es keinen Grundkurs Ethik mehr geben. Im folgenden WiSe 2019/20 wird noch einmal ein wöchentlicher Grundkurs Ethik zur Absolvierung des EPG I - Moduls angeboten, danach gilt das EPG-Programm als ausgelaufen. Es wird dann nur noch Einzelfall-Lösungen geben, um das EPG-I-Modul zu absolvieren.

In begründeten Ausnahmefällen (z. B. wegen Staatsexamen im Herbst 2019) können Lehramtsstudierende auch im kommenden SoSe 2019 an der Veranstaltung „Einführung in die praktische Philosophie“ (Dozent Andreas Luckner, Mittwochs 08:00 - 09:30, Raum M 11.42) teilnehmen und damit die Erfordernisse des EPG I abdecken. Wenden Sie sich bitte an die EPG-Koordinationsstelle unter luckner(at)philo.uni-stuttgart.de).

Im EPG II-Bereich werden im Sommersemester 2019 insgesamt 11 EPG II-Seminare angeboten:


Hauke Behrendt
Was ist Diskriminierung?
Zeit: Blockveranstaltung vom 7. - 10. 10. 2019
Raum: noch zu bestimmen

!! Achtung: Zulassungsbeschränkung für EPG-Studierende.
Anmeldungen bitte unter luckner(at)philo.uni-stuttgart.de !!

Diskriminierung wird von den wichtigsten internationalen Menschenrechtsdokumenten verboten. Die überwiegende Mehrheit aller Staaten hat verfassungsrechtliche oder gesetzliche Bestimmungen, die Diskriminierung unter Strafe stellen. Und die meisten philosophischen, politischen und rechtlichen Diskussionen über Diskriminierung gehen von der Prämisse aus, dass sie moralisch falsch ist und gesetzlich verboten sein sollte. Um ein (moralisches wie rechtliches) Diskriminierungsverbot richtig beurteilen und im Zweifelsfall sauber umsetzen zu können, ist es von großer Bedeutung, zunächst genau zu bestimmen, was eine diskriminierende Behandlung im Kern ausmacht und zu untersuchen, was eine solche Behandlung moralisch falsch macht.

In diesem viertätigen Kurs wollen wir uns mit diesen Fragen beschäftigen. Zunächst werden wir konkurrierende Auffassungen über den Begriff „Diskriminierung“ untersuchen, um uns mit den bestehenden Debatten in der philosophischen Literatur vertraut zu machen. Zweitens werden wir uns mit den „falsch-machenden“-Aspekten von Diskriminierung auseinandersetzten. Die Teilnahme setzt eine verbindliche Anmeldung per E-Mail an den Dozierenden voraus (Hauke.Behrendt(at)philo.uni-stuttgart.de). Alle weiteren Teilnahmemodalitäten werden dann persönlich besprochen.

Literatur: Deborah Hellman: When is discrimination wrong? Cambridge, MA 2011. Kasper Lippert-Rasmussen: Born Free and Equal? Oxford 2014. Benjamin Eidelson: Discrimination and Disrespect. Oxford 2015.


Andreas Kaminski
Vertrauen und Anerkennen
Zeit: Donnerstag, 11.30 - 13.00 Uhr
Raum: M 17.16

!! Achtung: Zulassungsbeschränkung für EPG-Studierende.
Anmeldungen bitte unter luckner(at)philo.uni-stuttgart.de !!

Wenn wir uns in einer Situation befinden, in der wir uns fragen, ob wir einer Person vertrauen können, dann spielen die Gründe, die dafür oder dagegen sprechen, eine wichtige Rolle. Anscheinend versuchen wir dann zu erkennen, mit wem wir es zu tun haben und was der wahrscheinliche Situationsverlauf ist. In der Philosophie ist eine solche epistemische Theorie von Vertrauen insbesondere von David Hume entwickelt worden. Ende des 20. Jahrhunderts haben die Soziologie, Ökonomie und Psychologie in Gestalt von Rational Choice-, Spieltheorie und Credibility Assessment diese Traditionslinie fortgesetzt, Vertrauen als eine Frage der Erkenntnis zu begreifen.

Eine Reihe von philosophischen Beiträgen haben jedoch grundlegende Zweifel an der Vorstellung aufgeworfen, dass sich Vertrauen epistemisch begreifen lässt. Mit der sogenannten „Assurance view“ (Richard Moran) oder Theorien von Vertrauen als einem Gefühl (Bernd Lahno, Paul Faulkner) sind Ansätze entstanden, die Vertrauen als ein Anerkennen zwischen Zweien denken. Statt dass Vertrauen Gründe hat, gehen sie davon aus, dass Vertrauen ein Grund ist bzw. einen Grund bildet.

Im Seminar werden, nachdem wir epistemische Theorien von Vertrauen kennen gelernt haben, uns mit diesen Ansätzen beschäftigen, welche Vertrauen im Kontext des Anerkennens begreifen wollen.

Voraussetzungen:

Es werden keine Kenntnisse im Themengebiet vorausgesetzt, sondern nur die Bereitschaft, sich lesend in das Thema einzuarbeiten und zu seiner Untersuchung im Rahmen der Sitzungen beizutragen.

Literatur:

Wer Lust hat, kann sich vorab in das Thema einlesen. Hier einige Titel, die einen guten Überblick und Einstieg ermöglichen:

  • Baier, Annette (2001): Vertrauen und seine Grenzen. In: Martin Hartmann und Claus Offe (Hg.): Die Grundlage des sozialen Zusammenhalts. Frankfurt/Main: Campus, S. 37–84.
  • Faulkner, Paul; Simpson, Thomas (Hg.) (2017): The Philosophy of Trust. OUP Oxford.
  • Coady, Cecil (1992): A philosophical study. Oxford, New York: Clarendon Press; Oxford University Press.

Sabine Metzger
Posthumanism
Time: Wednesday, 14.00 - 15.30
Room: M 17.14

 Posthumanism is often regarded as a label for the post-biological and this as a synonym for transhumanism, i.e. the modification and radical enhancement of the human condition by means of genetics, robotics and nanotechnology. In a more complex sense, however, posthumanism refers to a going beyond the human and beyond humanism, whose assumptions have been challenged not only by emergent technologies and man’s coevolution with intelligent machines, but as well by evolutionary theory and by the cognitive sciences. Posthumanism critically questions anthropocentrism and the classical humanist dichotomies, such as mind and body, self and other, organic and inorganic, man and animal. This course will consider Posthumanism as an interdisciplinary approach to the troubled boundary between the human and its non-human others – an approach that encompasses the equally interdisciplinary fields of Transhumanist Studies, Critical Animal Studies, Disability Studies and Critical Plant Studies. We will focus on key texts by seminal theorists, such as Rosi Braidotti, Katherine Hayles, Cary Wolfe, Donna Haraway, Michael Marder and Bruno Latour. Required Texts: Texts will be made available on ILIAS.


Michael Nerurkar
Ethik vor, bei und nach Kant
Zeit: Montag, 14.00 - 15.30 Uhr
Raum: M 17.51

!! Achtung: Zulassungsbeschränkung für EPG-Studierende.
Anmeldungen bitte unter luckner(at)philo.uni-stuttgart.de !!

 Das Seminar verfolgt zwei Ziele: Erstens soll ein historischer und systematischer Überblick über die philosophische Ethik erarbeitet werden. Zweitens soll begriffen werden, inwiefern das mit der kantischen Moralphilosophie erreichte Reflexionsniveau bislang unüberboten ist und warum diese so wirkmächtig ist. Drittens kann, abhängig vom Reflexionsniveau der Teilnehmer, eingesehen werden, warum die Kantische Ethik dennoch falsch ist.


Michael Nerurkar
Ethische Aspekte von Hochtechnologien
Zeit: Montag, 15.45 - 17.15 Uhr
Raum: M 17.71

!! Achtung: Zulassungsbeschränkung für EPG-Studierende.
Anmeldungen bitte unter luckner(at)philo.uni-stuttgart.de !!

Das Seminar verfolgt drei Ziele: Erstens eine Klärung der technikphilosophischen Frage, was Hochtechnologien sind und inwiefern sie ethisch relevant sein könnten. Zweitens die Fragen: Was heißt „ethisch relevant“ und was kann angewandte Ethik leisten? Drittens sollen einige Anwendungen von Hochtechnologien analysiert und diskutiert werden (beispielsweise der Informationstechnologie oder der Biotechnologie).


Annette Ohme-Reinicke
Kritische Theorie der Bildung und autoritäres Aufbegehren
Zeit: Donnerstag, 11.30 - 13.00 Uhr
Raum: M 36.31

Angesichts autoritärer Haltungen in der Gesellschaft entstand bereits in den 1950er und 1960er Jahren eine kritische Theorie der Bildung. Vor allem Theodor W. Adorno und Max Horkheimer setzten sich mit den repressiven Einstellungen in der vom Nationalsozialismus geprägten bundesdeutschen Gesellschaft auseinander und suchten nach emanzipatorischen Handlungsmöglichkeiten, auch im schulischen und universitären Rahmen.

Das Seminar fragt, welchen Beitrag eine kritische Theorie der Bildung für eine Befähigung zum demokratischen Handeln heute leisten kann. Dafür beschäftigen wir uns mit Hintergründen gegenwärtiger demokratiefeindlicher Einstellungen und behandeln bildungstheoretische Überlegungen der Kritischen Theorie sowie deren aktueller Weiterentwicklungen.

Literaturempfehlungen:

Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt/Main, verschiedene Auflagen
Oliver Decker, Elmar Brähler (Hg.): Flucht ins Autoritäre. Rechtsextreme Dynamiken in der Mitte der Gesellschaft. Gießen, 2018 (online verfügbar)
Weitere Literatur wird im Seminar bekanntgegeben.


Ulrike Pompe-Alama
Aristoteles - Nikomachische Ethik
Zeit: Mittwoch, 11.30 - 13.00 Uhr
Raum: M 17.74

!! Achtung: Zulassungsbeschränkung für EPG-Studierende.
Anmeldungen bitte unter luckner(at)philo.uni-stuttgart.de !!

Aristoteles entwirft in seiner Nikomachischen Ethik (ca. 335-323 v. Chr.) ein Grundmodell menschlicher Lebenspraxis, das bis heute Relevanz beweist. Dabei analysiert er Begriffe wie Glück, Tugend(en), Entscheidung, Klugheit, Unbeherrschtheit, Lust und Freundschaft, um das Streben nach Glückseligkeit und dem Guten zu erhellen.

Bis heute gelten die Ethiken des Aristoteles als die ersten grundlegenden und umfassendsten Analysen der praktischen Philosophie.

Textgrundlage, zur Anschaffung empfohlen:

Aristoteles, Nikomachische Ethik, übers. v. Ursula Wolf, Hamburg (Rowohlt) 2006 und später


Christian Schmid
Einführung in die Tierethik
Zeit: Montag, 11.30 - 13.00 Uhr
Raum: M 17.15

!! Achtung: Zulassungsbeschränkung für EPG-Studierende.
Anmeldungen bitte unter luckner(at)philo.uni-stuttgart.de !!

Die Tierethik hat in den letzten 50 Jahren nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch in der Ethik eine zunehmend wichtigere Stellung eingenommen. Dieses Seminar bietet eine Einführung in die zentralen Bereiche der moralischen Debatte um Tierethik. Den Einstieg bildet einen Überblick über die Hauptpositionen, in denen sich tierethische Ansätze einteilen lassen (z. B. Veganismus oder Vegetarismus). Im Anschluss daran soll ein tieferer Blick auf den moralischen Status verschiedener Handlungstypen, die in den Bereich der Tierethik fallen, geworfen werden: Ist es moralisch erlaubt, Tiere zu töten? Dürfen wir tierliche Produkte wie z. B. Fleisch essen? Machen wir uns zu Mittätern, wenn man tierliche Produkte von Institutionen erwirbt, die selbst unmoralisch handeln? Dabei lässt sich zur Beantwortung dieser Fragen ein Blick auf tierliche Kapazitäten und Fähigkeiten wie die Leidensfähigkeit nicht vermeiden.

Wir lesen primär anspruchsvolle englische Texte u.a. von T. McPherson, J. McMahan, C. Belshaw, B. Bramble, B. Bradley, M. B. Budolfson. Gute Englischkenntnisse sind daher unbedingte Teilnahmevoraussetzungen.


Thomas Wägenbaur
Contingencies of Value
Wednesday, 14.00 – 15.30,
Room K II, 11.01

This seminar will examine relevant exchanges between Anglophone literature and philosophical ethics. We will follow both a historic and systematic order by dealing first with the relation between religion and literature as well as the relation between moral philosophy and literature. We will then explore various cultural practices such as censorship and canonization and their influence on literature – and vice versa. At length we will discuss the so-called “Ethical Turn” in literary theory since the last two decades (Gender Theory, Postcolonialism, Ecocriticism). Recommended Reading: Hoffmann, Gerhard, and Alfred Hornung. Ethics and Aesthetics: The Moral Turn of Postmodernism. Winter, 1996. Remarks: Nur für Lehramtstudierende, GymPO


Michael Weingarten
„Die westliche Gesellschaft nannte einmal sich die christliche.“
Max Horkheimer und die Religion
Zeit: Dienstag, 11.30 - 13.00 Uhr
Raum: M 17.22

„Mit der letzten Spur der Theologie verliert der Gedanke, dass der Nächste zu achten, gar zu lieben sei, das logische Fundament.“ So Horkheimer 1966, mitten in der beginnenden Studentenrevolte. Unüberhörbar ist die Trauer, keine Spur von Hoffnung angesichts der durch die Studenten herbeigeführten Politisierung der bundesdeutschen Gesellschaft. Ist das einfach nur Resignation? Oder versucht Horkheimer, gerade auch konfrontiert mit dem Dogmatismus und Elitismus vieler führender Sprecher der Studentenbewegung, eine andere Perspektive auf Befreiung und Revolution deutlich zu machen? Und kann diese andere Perspektive nur religiös und theologisch artikuliert werden, ohne diese dabei für ihnen fremde Zwecke zu funktionalisieren? Diesen Fragen soll im Seminar nachgegangen werden.

Zur Anschaffung empfohlen: Max Horkheimer: Vorträge und Aufzeichnungen 1949 – 1973. Gesammelte Schriften Band 7. S. Fischer Verlag.

Weitere Literatur im Seminar.


Michael Weingarten
Klassen, Klassenbildung und Klassenbilder
Zeit: Dienstag, 14.00 - 15.30 Uhr
Raum: M 36.31

Aufgrund unterschiedlicher Sozialisation und der damit einhergehenden Verfügung über qualitativ und quantitativ verschiedene Kapitalsorten sei es eine Illusion von Chancengleichheit in Bildungssystemen zu sprechen; so die grundlegende These Pierre Bourdieus. Didier Eribon und SchriftstellerInnen wie Annie Ernaux oder Edouard Louis haben darüber hinaus problematisiert, wie die sozialen und politischen Prozesse der Bildung zu einer Klasse in Wechselwirkung stehen zu Bildungsprozessen im bildungswissenschaftlichen Sinn. Und sie haben die biographischen Brüche markiert, die häufig mit einem erfolgreichen Bildungsaufstieg verknüpft sind: nämlich der Wechsel von einer proletarisch-bäuerlichen zu einer bürgerlichen Klasse. Dieser Doppelsinnigkeit in der Rede von Klassenbildung (Bildung zur Klasse – Bildung in der Klasse) und den damit verknüpften Reflexionsverhältnissen soll im Seminar nachgegangen werden.

Grundlegender, von allen anzuschaffender Text:
Didier Eribon: Rückkehr nach Reims. Suhrkamp. Weitere Literatur dann im Seminar.

Dieses Bild zeigt Luckner
Apl. Prof. Dr.

Andreas Luckner

Koordination des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (EPG), Prüfungsausschuss Philosophie

Zum Seitenanfang