Aktuelles EPG-Angebot

Übersicht über die aktuellen Veranstaltungen, die im Rahmen des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums besucht werden können.

Seit dem Sommersemester 2020 gibt es KEINE exklusiven EPG-I-Veranstaltungen ("Grundkurs Ethik") mehr.

Lehramtsstudierende nach GymPO (mit obligatorischem EPG), die noch das EPG I-Modul für die Anmeldung zum Staatsexamen absolvieren müssen, können dies in den kommenden Sommersemestern in den Veranstaltungen mit dem Titel "Einführung in die praktische Philosophie" tun.

Für weitere Fragen das EPG-I-Modul betreffend stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung unter 


luckner(at)philo.uni-stuttgart.de

Im EPG II-Bereich werden im Wintersemester 2020/21 insgesamt 7 EPG II-Seminare angeboten.

Für jede der im folgenden aufgeführten Veranstaltungen (außer der Veranstaltung von Herrn Wägenbaur) müssen Sie sich bei mir unter

luckner(at)philo.uni-stuttgart

anmelden. Die Plätze für die EPG-Kandidatinnen sind beschränkt.

 

Renate Breuninger
Philosophie der Freundschaft
Zeit: Mittwoch 15:45 - 17:15 h, Beginn 11. 11. 2020
Raum: Online-Seminar über WebEx

In allen Ethiken als der Lehre vom gelingenden Leben kommt der Freundschaft eine besondere Bedeutung zu. Für Aristoteles ist im 8. und 9. Buch der Nikomachischen Ethik die Freundschaft noch wichtiger als die Gerechtigkeit, sie ist der wichtigste Bestandteil einer gut funktionierenden Polis. Sie lässt eine Gesellschaft sittlich gut werden. Das Gut, das der Freund dem Freunde entgegenbringt, wird hier nicht durch eigennützige Zwecke definiert, sondern es geht um die „Wesensart“ des Andern im Ganzen. Während in der Antike Freundschaft höchste Tugend war und zwischen Liebe und Freundschaft deutlich unterschieden wurde, wird sie im Christentum zum Inbegriff der Liebe Gottes. In der Romantik wird Freundschaft eigentümlich subjektiviert: Neben und über der Liebe stehend, entgrenzt sie die bürgerliche Welt und - in dem sie das im Menschen angelegte Potential entfaltet - vervollständigt und vervollkommnet sie den Menschen. Und heute: Es scheint und bleibt zumindest zu hoffen, dass Freundschaft eine neue Kultur der Geselligkeit begründen wird. Derridas „Politik der Freundschaft“ nimmt Montaignes berühmtem Essay „Über die Freundschaft“ auf und eröffnet mit dessen enigmatischen Satz „O Freunde, es gibt keinen Freund“ einen neuen Begriff des Politischen. Auch für Hannah Arendt ist Freundschaft als Beziehungsgewebe immer zutiefst politisch. Mehr denn je gilt es Räume für eine offene, vertrauensvolle, gerade nicht abgeschottete und ausgegrenzte Kommunikation zu schaffen, so dass Demokratie gelebt werden kann. Freundschaft als politische Kategorie und als Lebensform sollte gerade in Zeiten von Social Media und Corona eine verstärkte Bedeutung zukommen.

 

Tim Henning
Kants Kritik der praktischen Vernunft
Zeit: Montag 09:45 - 11:15 h, Beginn 02. 11. 2020
Raum: Online-Seminar über WebEx

Hume hat behauptet, die Vernunft alleine könne unsere Handlungen nicht beeinflussen – sie sei die Sklavin unserer Gefühle. Kants Kritik der praktischen Vernunft ist der Versuch, nachzuweisen, dass Hume Unrecht hat – nachzuweisen, wie Kant es ausdrückt, dass reine Vernunft praktisch sein kann. Wir können also, so Kant, durch vernünftiges Überlegen, nicht geleitet durch „sinnliche“ Wünsche und Vorlieben, bestimmen, was richtig ist – und dann auch auf dieser rein rationalen Grundlage zu Handlungen gelangen. Kant glaubt, zeigen zu können, dass dies so ist. Dabei zeigt er auch, dass eine reine praktische Vernunft nur einem ganz bestimmten Grundsatz folgen kann – dem Sittengesetz (oder kategorischen Imperativ). Neben der Antwort auf Hume enthält Kants zweite Kritik also auch eine Formulierung seiner ethischen Theorie und seiner Argumente für sie. Und schließlich bietet sie wichtige Diskussionen zum Zusammenhang von Moral und Freiheit, zum Gefühl der „Achtung“, und nicht zuletzt zu großen Fragen wie der Existenz Gottes und der Unsterblichkeit der Seele. Wir lesen und diskutieren Kants zweite Kritik. Jede Ausgabe kann verwendet werden.

 

Sebastian Ostritsch
Ethik des Computerspiels
Zeit: 11:30 - 13:00 h, Beginn 02. 11. 2020
Raum: Online-Seminar über WebEx

Lange Zeit wurden Computerspiele entweder als jugendliche Zeitverschwendung (Stichwort „daddeln“) trivialisiert oder aber im Zuge medialer und politischer Ratlosigkeit angesichts jugendlicher Gewaltexzesse zum Sündenbock auserkoren und als „Killerspiele“ verteufelt. Nicht selten haben Spieler angesichts solcher Vorwürfe selbst Zuflucht in der Trivialisierung ihres Hobbies gesucht und den Standpunkt vertreten, dass es sich bei Computerspielen um „bloße Spiele“ handelt, die mit dem Ernst der Realität nichts zu tun hätten. Ohne dass diese Perspektiven auf das Computerspiel ganz der Vergangenheit angehören würden, so werden Games doch zunehmend als ernstzunehmendes Kulturgut behandelt, wovon etwa Spiele-Rezensionen in Zeit und FAZ zeugen. Wenn aber Computerspiele tatsächlich ernstzunehmende Kulturgüter sein können, dann ergeben sich für sie dieselben ethischen Fragen, die wir auch in Bezug auf Literatur, Malerei und Film stellen können: z. B. ob ein bestimmtes Werk eine ethisch relevante Position zum Ausdruck bringt, ob es dem Rezipienten eine bestimmte Weltsicht, bestimmte Normen und Werte nahelegt, und ob es dafür moralisch zu loben oder zu verurteilen ist. In diesem Seminar wollen wir sowohl mit der nur schwer totzukriegenden „Killerspiele“-Debatte als auch mit den zuletzt genannten, tiefsinnigeren ethischen Fragen in Bezug auf Computerspiele beschäftigen. Neben der Lektüre englischsprachiger Texte wird auch die Bereitschaft vorausgesetzt, ausgewählte Computerspiele selbst zu spielen

 

Ulrike Ramming
Die Performativität von Geschlecht
Zeit: Montag 15:45 - 17:15, Beginn 2. 11. 2020
Raum: Online-Seminar über WebEx

Der Begriff der Performanz bzw. Performativität wurde im Kontext der Sprachphilosophie von John L. Austin eingeführt, um das bereits in der antiken griechischen Philosophie vorhandene Wissen darum, dass wir, wenn wir sprechen, auch handeln, im neueren Rahmen der Analytischen Philosophie zu reformulieren. Die von Jacques Derrida vertretene Variante von Performativität wurde von Judith Butler zur Grundlage der von ihr entwickelten Theorie des Geschlechts genommen. Damit will sie verdeutlichen, dass es sich bei der (biologischen) Zugehörigkeit zu einem Geschlecht nicht um eine Eigenschaft handelt, sondern dass wir unsere geschlechtliche Identität (so wir sie überhaupt haben) ständig performativ, d. h. handelnd und sprechend, konstituieren und bestärken. Im ersten Teil des Seminars sollen die sprachphilosophischen Grundlagen bei Austin und Derrida erarbeitet werden. Der zweite Teil widmet sich der Anwendung und Modifizierung dieses Ansatzes durch Judith Butler im Rahmen ihrer Theorie des Geschlechts. Im dritten Teil sollen neuere Texte die Frage nach der Erklärungsleistung dieser Position verfolgen. Literatur: Austin, John L.: Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with words). Stuttgart: Reclam 1972 (eigene Anschaffung erforderlich). Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. (Auszüge) Dies: Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1989 Dies: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Frankfurt/M. Suhrkamp 1997. (Auszüge) Derrida, Jacques: Signatur Ereignis Kontext. In: Ders.: Limited Inc. Wien: Passagen Verlag 2001 (ILIAS) Preciado, Paul B.: Ein Appartment auf dem Uranos. Chroniken eines Übergangs. Berlin: Suhrkamp 2020 (Auszüge) Weitere Literatur wird zu Vorlesungsbeginn bekannt gegeben

 

Ulrike Ramming
Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung
Zeit: Dienstag 09:45 - 11:15 h, Beginn 03. 11. 2020
Raum: Online-Seminar über WebEx

Die "Dialektik der Aufklärung" zählt sicherlich zu den umstrittensten Werken der Kritischen Theorie der ersten Generation. Verfasst 1944 zum internen Gebrauch im Institut für Sozialforschung, stellen die Autoren, unter Bezug auf Faschismus und Nationalsozialismus in ihm die These auf, dass Aufklärung in Barbarei zurückfällt. Sie wird häufig im Sinn einer totalisierenden Rationalitätskritik problematisiert, die sich selbst ihre eigene Grundlage entzieht. Wird berücksichtigt, dass, wie Horkheimer betonte, Kritische Theorie einen Zeitkern aufweise, so lässt sich fragen, inwiefern diese Kritik an den Überlegungen Horkheimer und Adornos selbst begründet ist. Im Seminar sollen die Essays des Werks mit den Anhängen erarbeitet und diskutiert werden. Beabsichtigt ist, auf der Grundlage neuerer Forschungsliteratur, produktive philosophische Argumentationslinien herauszuarbeiten und gleichzeitig zu diskutieren, inwiefern aus Gründen des Zeitkerns bestimmte Grundannahmen der Autoren nicht mehr aufrecht zu erhalten sind. Literatur (eine dieser Ausgaben muss selbst angeschafft werden): Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Bd. 5: >Dialektik der Aufklärung< und Schriften 1940- 1950. Frankfurt/M.: Fischer 1987. (Kritische Ausgabe, in der die Abweichungen der verschiedenen Veröffentlichungen des Werks dokumentiert sind und damit zu einem besseren Verständnis führen). Adorno: Theodor W.: Schriften, Bd. 3. Dialektik der Aufklärung. Frankfurt/M.: Suhrkamp. Zur Vorbereitung und Vertiefung: Adorno-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung, hg. von Richard Klein u.a. Stuttgart: Metzler 2019. Hindrichs, Gunnar (Hrsg.): Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. (= Klassiker auslegen, Bd. 63). Berlin/Boston: de Gruyter 2017

 

Jakob Steinbrenner
Der technische und kapitalistische Mensch
Zeit: Mittwoch 17:30 – 19:00 h. Beginn: 04. 11. 2020
Raum: Online-Seminar über WebEx

Im Zentrum des Seminars steht das Werk von Heinrich Hardensett „Der technische und kapitalistische Mensch“ (1932). Nach Jeffrey Hersh (Reactionary Modernism. Technology, Culture, and Politics in Weimar and the Third Reich, Cambridge UP, 1984) ist Hardensett „einer der produktivsten und interessantesten aller Ingenieure, die über Technik und Kultur geschrieben haben“ (ebd.). Grund hierfür sei, dass er auf sehr einfallsreiche Weise reaktionär-modernistische Überlegungen formulierte. Im Seminar soll Hardensetts Position mit andern konservativ-reaktionären Denkern wie beispielsweise Ernst Jünger (Der Arbeiter, Stuttgart 1932) und Oswald Spengler (Der Mensch und die Technik, München 1931) verglichen und die These untersucht werden, in welcher Form diese Denker als „Steigbügelhalter“ des Nationalsozialismus zu betrachten sind.

 

Thomas Wägenbaur
“Contingencies of Value”
Time: Thursday, 14.00 – 15.30
Room K II, 17.13 (das Seminar wird vorauss. online per WebEx stattfinden. Näheres entnehmen Sie bitte dem KVV der Anglistik)

This seminar will examine relevant exchanges between Anglophone literature and philosophical ethics. We will follow both a historic and systematic order by dealing first with the relation between religion and literature as well as the relation between moral philosophy and literature. We will then explore various cultural practices such as censorship and canonization and their influence on literature – and vice versa. At length we will discuss the so-called “Ethical Turn” in literary theory since the last two decades (Gender Theory, Postcolonialism, Ecocriticism). Recommended Reading: Hoffmann, Gerhard, and Alfred Hornung. Ethics and Aesthetics: The Moral Turn of Postmodernism. Winter, 1996.

 

Dieses Bild zeigt  Andreas Luckner
Apl. Prof. Dr.

Andreas Luckner

Koordination des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (EPG), Prüfungsausschuss Philosophie

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